Kapitel 2 – „Der Dicke im Wald“

Kapitel 2 – „Der Dicke im Wald“

Gottwin überlebte seine erste Nacht außerhalb der Mauern Sonnwinns. Die Sonne ging auf und das Schnauben der Pferde weckte ihn. Im Laufe des Morgens wurde es immer wärmer, weit und breit war keine Wolke am Himmel zu sehen. Manchmal kam eine leichte Brise auf, welche die Blätter der Bäume zum Rascheln brachte. Er trabte den ganzen Morgen den Weg entlang, immer weiter ins Landesinnere. Verwundert darüber, dass er noch keine Stadt erreicht hatte, so sehr, langweilte er sich dass er mit sich selbst sprach.

(Gottwin)„Oh man, dass ich ohne alles aufgebrochen bin war schon sehr einfältig! So langsam bekomm‘ ich richtig Hunger. Im Notfall schlachte ich einfach eines der Pferde!“

Nach einer Weile und unzähligen Selbstgesprächen mit etlichen Belanglosigkeiten später entdeckte er eine Person links im Graben neben dem Weg. Die dicke Person schien alte Ladungskisten in der Nähe eines Wracks zu plündern. Gottwin kam unbemerkt immer näher und erkannte das es sich um einen Jungen in seinem Alter handelte. Sein grüner Pullover saß stramm an seinem pummligen Oberkörper. Der dicke dunkelhaarige Junge mit Igelschnitt war so damit beschäftigt seine Gürteltaschen voll zu stopfen, dass er Gottwin gar nicht bemerkte.

(Gottwin) „Kann ich dich fragen was du da machst?“,

sprach Gottwin verwundert, aber mit einem Lachen auf den Lippen. Der dicke Junge zuckte zusammen und machte einen Satz von Gottwin weg. Es war erstaunlich wie schnell der Dicke sich bewegte. Völlig erschrocken und außer sich rief er:

(Dicke) „Scheiße, wer… Wer bist du denn?“

Er schien völlig baff zu sein, dass sich jemand an ihn heran schleichen konnte. Gottwin stand vor ihm, mit den Pferden im Rücken, zeigte mit seinem Finger auf sich selbst und antwortet grinsend:

(Gottwin) „Ich? Gottwin, angenehm. Du hast meine Frage noch nicht beantwortet!“

Der Dicke stampfte aus dem Graben hinaus auf den Weg und baute sich auf. Fassungslos darüber, dass er so leichtsinnig war und sich jemand unbemerkt anschleichen konnte, sprach er frech:

(Dicke) „Ich leg vor einem Kind wie dir keine Rechenschaft ab! Scheiße nochmal, woher kommst du?“

Gottwin zeigte mit seinem rechten Zeigefinger über seine Schulter hinweg.

(Gottwin) „Ich bin aus Sonnwinn! Und du bist jawohl genauso alt wie ich! Wenn du zu den Banditen gehörst, dann setzt es jetzt was!“

Da zischte es nur so aus dem Dicken hinaus, der an seine Gürteltasche griff.

(Dicke) „Pass… pass auf was du da sagst, du Spinner! Hier ist nicht dein kleines buntes Liebesnest Sonnwinn!“

Gottwin lachte kurz, ballte seine Fäuste auf Hüfthöhe und sagte mit entschlossenem Blick:

(Gottwin) „Du scheinst kräftig zu sein und siehst nicht aus wie ein Bandit. Ich hab ein gutes Gefühl bei dir, komm mit mir. Ich will im Land für Frieden sorgen!“

Der Dicke brach in einem Gelächter aus. Dabei hüpfte die dunkle Trinkflasche, die mit einem Schulterriemen vor seiner Wampe baumelte, hin und her.

(Dicke) „Frieden?! So wie die tausenden Versager, die hier durchziehen? Scheiße, wo sind deine Waffen und deine Armee? Ich lach mich schlapp, du Tagelöhner!“

Gottwin bekam einen ernsten Gesichtsausdruck. Das Wort Versager passt ihm gar nicht. Männer, die ihr Leben für ihr Königreich und den Frieden ließen, waren Ehrenmänner.

(Gottwin) „Mein Schild reicht mir und ein Versager ist wohl eher jemand, der hier im Wald altes Zeug plündert! Ich werde für den Frieden kämpfen bis in den Tod!“

Gottwins Stimme klang sehr überzeugend. Der Wille stand ihm buchstäblich ins Gesicht geschrieben. Der Dicke musterte ihn während er über seine Worte grübelte. Seine Augen waren fest auf Gottwin fixiert, welcher ihm einen freundlichen Blick zuwarf. Der Dicke kannte keinen freundlichen Menschen, nur die Banditen und Söldner, die er im Wald beobachtet hatte.

(Dicke) [Meint der das ernst? Wie kann er so etwas vorhaben, ist er verrückt? Ist er ein freundlicher Mensch? Und woher hat er die zwei Pferde?]

Pferde waren in dieser Region abseits der Städte äußerst selten in der Hand von Kämpfern des Königreiches. Keiner der Beiden sagte für eine kurze Zeit etwas. Ein Pferd schnaubte laut und der Blick des dicken Jungen wanderte zum Himmel.

(Dicke) „Ich bin Witold. Du wirst ja sowieso sterben, also ist es irrelevant. Ich lebe seit ich mich erinnern kann hier im Wald. Scheiße, du überraschst mich. Jemanden wie dich hab ich hier noch nie getroffen.“

Gottwin erkannte wie deprimiert er war. Seine Stimme klang einsam und zornig.

(Gottwin) „Witold? Du lebst hier im Wald? Und kannst du mal aufhören „Scheiße“ zu sagen?“

Der Dicke wandte sich wieder Gottwin zu und fluchte.

(Witold) „Scheiße nein. Ist doch alles scheiße hier! Jemand hat mich aufgezogen und dann hier zurück gelassen!“

Witold hatte nicht wie Gottwin Freunde in der Jugend oder Großeltern, die für ihn kochten. Auch hatte er nie eine Hinrichtung auf dem Marktplatz feiern können oder ein Stadtfest miterlebt. Gottwin, der daran dachte wie sein Leben gewesen wäre wenn er das alles verpasst hätte, schossen plötzlich Tränen in die Augen.

(Gottwin) „Man, das ist so traurig. Ich glaub ich muss heulen. Du hast wirklich Niemanden!? Du arme Socke, nimm ein Pferd von mir!“

Er machte zwei Schritte vor und drückte Witold die Zügel in die Hand. Witold schaute verdutzt auf die Zügel und beäugte das Pferd, bis sein Blick wieder bei Gottwin angelangt war. Plötzlich brüllte er los:

(Witold) „Hier ist gar nichts traurig! Nur alles scheiße! Und was soll ich denn mit so einem abgemagerten Gaul?“

Gottwin machte ein dummes Gesicht und erwiderte streitlustig:

(Gottwin) „Ich habe diese Pferde seit zwei Tagen und wollte erst mal in die nächste Stadt galoppieren. Sei froh, dass ich dir eines geschenkt hab!“

Witold entgegnete sofort mit einer wütenden Stimme:

(Witold) „Die sind doch total abgemagert! Hast du nen Schatten die Pferde noch galoppieren zu lassen?“

Witold drehte sich von Gottwin weg und führte das Pferd an den Zügeln in den Wald.

(Witold) „Scheiße, komm mit, du Vogel. Ich muss mal wieder mit jemanden sprechen. Dafür biete ich dir etwas zu essen!“

Gottwin, der bei dem Gedanken an etwas zu Essen schon den tollsten Zwiebelbraten vor Augen hatte, stieg aufs Pferd und ritt hinter ihm her. Als Witold einen Blick über seine Schulter warf und ihn auf dem Pferd sah, fing er sofort wieder an zu schreien.

(Witold) „Was bist du… ein Tierquäler? Runter vom Pferd, du Spinner!“

Gottwin sprang mit einem Satz vom Pferd und sagte nur leise vor sich hin:

(Gottwin) „Was ein miesepeteriger Menschentreiber.“

Die beiden liefen eine ganze Weile durch den Wald. Als sie an einem undurchschaubaren Fichtendickicht angekommen waren, führte Witold sie durch einen kleinen Pfad immer weiter Berg auf durch das dichte Geäst. Plötzlich knallte die Sonne wie aus dem nichts in Gottwins Gesicht, er war fassungslos. Sie standen auf einem großen Wildacker, der mitten in einer riesigen Dickung lag. Witold führte sie zu einem großen Baum, welcher zentral auf dem Acker stand.

(Witold) „Sie sind zwar noch nicht ganz reif, aber schmecken tun sie trotzdem“

Sie standen unter einem riesigen Apfelbaum, der hunderte Jahre alt war. Vögel, Raupen und Nagetiere hocken auf den mächtigen Ästen. Überall auf und um den Baum herum lagen prächtige grünrote Äpfel. Witold und Gottwin sattelten ab und nahmen auf einer großen Wurzel, die aus dem Boden ragte, Platz. Gottwin und die Pferde waren einem Fressrausch verfallen. Solch saftige, leckere Äpfel hatte er noch nie gegessen. Witold schlang nicht wie der Rest, er aß in Ruhe einen Apfel und fragte dann mit einer nicht zu vor erkennbaren Neugier.

(Witold) „Gottwin, kann ich dich fragen wie scheiße das Leben in Sonnwinn ist?“

Gottwin, der in seinem Mund ein riesiges Stück Apfel hatte und schon die nächsten beiden in seinen Händen hielt, sprach mit vollem Mund und einer begeisterten Stimme.

(Gottwin) „Mmmhhh, da ist nichts scheiße! Die Stadt ist gigantisch und dort gibt es super leckeren Fisch! Es ist einfach großartig dort!“

Witold hatte die Ohren gespitzt. Mit einem sehr neugierigen Tonfall fuhr er fort.

(Witold) „Ich war noch nie in einer Stadt…Wie sind die Menschen? Freundlich?”

Gottwin, der immer noch einen Apfel nach dem anderen verschlang, entdeckte in der Baumkrone ein Baumhaus. Er hob den rechten Arm und zeigte drauf. Die Faszination in seinem Gesicht war unverkennbar. Total begeistert schoss es nur so aus seinem vollen Mund hinaus.

(Gottwin) „Wie cool ist das denn? Ich durfte nie eins bauen… . Wem gehört das denn?“

Witold wurde zornig und gab Gottwin ein Schlag in den Nacken woraufhin die Apfelstücke aus seinem Mund flogen. Er wollte schon immer wissen wie das Leben in einer Stadt ist. Außer sich schrie er:

(Witold) „Hörst du mir überhaupt zu, du Schlüpfer? Das ist mein Haus, ich lebe hier!“

Gottwin steckte sich wieder einen Apfel in den Mund. Witold fing an zu erzählen und Gottwin nickte gelegendlich, um zu zeigen, dass er ihm zuhörte.

(Witold) „Soweit ich mich zurück erinnern kann lebe ich hier. Der Mann der mich aufzog…, sein Name war Raskild. Er war wie ein Vater für mich und brachte mir alles bei was ich weiß. Wir lebten hier zusammen bis er verschwand! Im Wald wimmelt es nur so von Bären, Wölfe und anderen gefährlichen Tieren. Nur mit Hilfe dieses besonderen Baumes konnte ich überleben, hörst du? Scheiße! Er hatte mir immer gesagt wir brechen irgendwann auf in die Welt! Jetzt warte ich auf seine Rückkehr!“

(Gottwin) „Komm mit mir und wir sorgen für Frieden im Land!“

(Witold) „Hast du nicht zugehört, du Trottel?“

(Gottwin) „Hab ich doch, aber was wenn „Rasknilch“ schon lange von einem Bär gefressen wurde?“

(Witold) „Raskild heißt er. Beleidige ihn nicht, du Spinner! Er würde wohl eher den Bär fressen!“

(Gottwin) „Einen Bären fressen? Dann muss er ja richtig fett sein.“

(Witold) „Gleich schlag ich dir deine Milchzähne aus, wenn du noch mal über Raskild herziehst!“

Witold war extrem verärgert, Raskild war sein Mentor und wie ein Vater für ihn.

(Gottwin) „Komm mit mir!“

Plötzlich wurde ihr Gespräch unterbrochen.

(Banditen) „Jetzt haben wir dich!“

Lass uns schnell das Scheißkind fertig machen und den Kopf zum Boss bringen!“

Und danach ab nach Treva auf eine Vergewaltigung!“

Wie aus heiterem Himmel standen plötzlich drei der Banditen aus dem Kampf mit Sax und Landolf auf dem Acker. Sie hatten bei der Flucht die übrigen Banditen aus den Augen verloren und sich dann verlaufen. Seit zwei Tagen irrten sie versprengt durch den Wald. Witold stand von der Wurzel auf und schrie:

(Witold) „Wie habt ihr diesen versteckten Ort gefunden?“

Die Banditen lachten. Sie waren den tiefen Hufabdrücken der Pferde durch den Wald gefolgt, auf die sie zufällig gestoßen waren.

(Bandit) „Knall ihn ab, danach kümmern wir uns um den Steineschmeißer!“

Einer der Banditen zog eine Armbrust hervor und schoss. Der Pfeil flog durch die Luft direkt auf Witold zu, doch Gottwin sprang in die Flugbahn und wehrte den Pfeil mit seinem Schild ab. Der Pfeil änderte die Richtung und drang neben ihnen im Erdboden ein. Splitter vom Schild schnitten Gottwin am Unterarm. Blut lief über seine Hand als er das Schild runter nahm.

(Gottwin) „Dreckiges Lumpenpack, wegen euch ist mein Schild kaputt! Jetzt mach ich euch fertig!“,

schrie er voller Wut mit ernster Miene. Sofort holte er mit seinem rechten Arm aus und warf das Schild mit aller Kraft.

(Bandit 1) „Schieß gleich nochmal.“

(Bandit 2) „Ich hatte nur den Pfeil!“

(Bandit 3) „Dann schlagen wir sie halt zusammen“

Schon schlug dem Banditen mit der Armbrust Gottwins Schild gegen den Kopf. Das laute Knacken des Schädels war beim Aufprall zu hören und die Wucht schleuderte den leblosen Körper nach hinten. Die beiden anderen Banditen griffen nach ihrem am Boden liegenden Mitstreiter, um ihm wieder auf die Beine zu helfen. Da bemerken sie das der Kopf nur noch ein blutiger, zerquetschter Klumpen war. Seine Augenhöhlen und die gesamte Stirn hatten sich ins Innere seines Kopfes geschoben.

(Bandit) „Du hast ihn getötet, dafür wirst du bezahlen! Jetzt hast du nichts mehr zum werfen!“

(Gottwin) „Kommt nur her, euch mach ich doch locker fertig.“

Witold stand wie angewurzelt da, er brachte kein Wort heraus, schaute auf Gottwin, der vor im stand und dachte nach.

(Witold) [Er hat mir das Leben gerettet, wieso hat der das gemacht? Was war das für ein heftiger Wurf? Jetzt steht er vor mir. Irgendwie fühle ich mich sicher bei ihm! Genauso wie damals mit Raskild]

Witolds Körpersprache änderte sich und er sprühte nur so vor Selbstbewusstsein.

(Witold) „Gottwin, warte mal. Lass mich das machen.“,

sprach Witold mit einem Grinsen im Gesicht. Er griff in eine Gürteltasche und zog zwei kleine Phiole heraus. Eine mit einer grünen Flüssigkeit, die er Gottwin zuwarf, und eine mit einer roten Flüssigkeit die er selbst trank. Danach schmiss er die Phiole ins Gras und nahm einen großen Schluck aus seiner Trinkflasche, die um seinen Bauch hing.

(Witold) „Gottwin, trink das. Es hat eine heilende Wirkung! Und jetzt zu euch beiden. Scheiße! Ich werde euch die Knochen brechen!”

Witold rannte sofort los, im Spurt entnahm er aus seiner rechten Hosentasche ein Paar Handschuhe und zog diese über. Die Banditen und Gottwin erstaunten wie schnell er war, da rumste es schon. Witold hatte mit einem Sprung über drei Meter einem der Banditen mit einem mächtigen Schlag gegen den Brustkorb geschlagen. Der Bandit flog wie von einer Keule getroffen zwei Meter nach hinten auf den Rücken. Witold landete auf beiden Beinen, drehte sich dem zweiten Banditen zu, da schnellte schon seine Faust von unten nach oben gegen den Kopf des Banditen. Ein harter Kinnhaken zertrümmerte den Kiefer und Blut schoss aus seinem Mund. Der erste Bandit richtete sich unter starken Schmerzen wieder auf. Sein Gesicht war blau angelaufen und es fiel ihm schwer zu atmen. Er brachte, nach Luft schnappend, ein paar Worte heraus.

(Bandit1) „Was? Wieso? Hast du so schnell?“

Witold, der seitlich zu ihm stand, drehte seinen Kopf in seine Richtung und sagte lachend:

(Witold) „Die Phiole die ich gerade getrunken habe war das Elixier des Wolfes! Scheiße! Kombiniert mit dem Saft des Altertumsapfelbaumes steigert sich meine Muskulatur für eine gewisse Zeit. Außerdem sind diese Handschuhe nicht gewöhnlich. Sie sind mit dem Quarzsand der Tiefe gefüllt!“

Witold machte ein paar Schritte auf ihn zu, packte den taumelnden Banditen an der Schulter und schlug immer wieder mit voller Kraft gegen seinen Kopf. Mit jedem Schlag verformte sich sein Gesicht. Zuerst lief das Blut nur aus der Nase, danach schoss es sogar aus den Ohren. Witold ließ nach unzähligen Schlägen von ihm ab und sein Körper sackte leblos zu Boden. Gottwin, der total überrascht von Witold war, jubelte ihm zu.

(Gottwin) „Das ist ja nicht zu fassen! Witold gib mir auch eine Phiole! Du bist so schnell und stark!“

Witold, der ein bisschen verlegen war, ging langsam auf Gottwin zu und grinste vor sich her. Von seinem rechten Handschuh tropfte das Blut seiner Gegner auf den Acker.

(Witold) „Danke Gottwin, der Pfeil hätte mich vielleicht getötet!“

Gottwin konnte sich vor Lachen gar nicht mehr beruhigen, beeindruckt von Witolds Kraft.

(Gottwin) „Jetzt gib mir schon eine Phiole. Ha, ich will auch so ein Wolfsdings.“

Witold, der wieder zu Gottwin zurückkehrte und zwei Meter vor ihm stehen blieb, blickte hoch in Apfelbaum und sagte.

(Witold) „Gottwin, das würde nichts bringen bei dir! Ich bin ein Alchemist weißt du… Mein Ziehvater Raskild lernte mich die Kunst. Meine Körperproportionen sind auf diese Beeinflussung ausgebaut. Dir würde es mehr schaden als nützen.“

Gottwin war sichtlich geknickt. Grimmig schaute er Witold an. Alchemisten kannte er vom Hörensagen. Es waren Menschen, die durch Tränke und Elixiere Veränderungen an Körper und Geist vornehmen konnten. Doch auf einmal wandelte sich sein trauriges Gesicht in ein lachendes, strahlendes und er schlug mit seiner rechten Faust in die linke Handfläche, denn er hatte eine Idee.

(Gottwin) „Dann musst du einfach mit mir kommen! Wir können durch das Land reisen und nach Raskild suchen!“,

platzte es aus Gottwin nur so heraus. Witold lachte.

(Witold) „Hast du gemerkt das du keine Schmerzen hast und deine Wunde schon heilt?“

Gottwin blickte erschrocken auf seinen rechten Unterarm. Es stimmte was Witold sagte, er verspürte keinen Schmerz und es hatte sich schon eine Kruste auf der Wunde gebildet.

(Gottwin) „Ahhh, was bist du, ein Hexenmeister?“

(Witold) „Du Idiot, nein ein Alchemist! Das sagte ich doch schon! Ich entwickle schon seit ich denken kann Medizin, sonst wäre ich hier alleine im Wald schon längst gestorben! Wieso hast du mir überhaupt das Leben gerettet?“

(Gottwin) „Weil du mir sympathisch bist.“,

sprach Gottwin kichernd und aß wieder einen Apfel.

(Witold) „Du bist schon ein komischer Kauz.“

Die beiden zankten und lachten immer wieder. Gottwin erzählte ihm mehr über Sonnwinn, die Begegnung mit Sax und Landolf und den Traum von ihm, dass irgendwann überall Frieden herrsche. Als die Dämmerung einbrach, bot Witold ihm an oben im Baumhaus zu übernachten und Gottwin nahm das Angebot dankend an.

Am nächsten Morgen wurde Gottwin, der in einer Hängematte, die aus Kleidungsfetzen bestand geschlafen hatte, durch lautes Poltern wach. Witold, der alles Mögliche in einen großen, brauen Rucksack stopfte, flitze von einer Ecke des Baumhauses zur anderen. Überall auf den Tischen lagen etliche Phiolen, Schläuche, Kerzen und anderer Kram, den Gottwin noch nie gesehen hatte. An den Holzwänden waren Zeichnungen von Kräutern, Tieren oder mathematischen Formeln genagelt. Zwei Schreibtische standen Kopf an Kopf zusammen. Auf ihnen Kerzen, davor je ein Stuhl. Als Gottwin genauer mit seinen verschlafenden Augen hin sah entdeckte er, dass einer der Stühle riesig war.

(Gottwin) „Was wem gehört denn dieser Stuhl? Wer sitzt denn darauf, ein Bär?“,

rief Gottwin aus seiner Hängematte Witold zu, der beide Arme voller Bücher und Papier vor seiner Brust Richtung Rucksack trug.

(Witold) „Ach der, das ist der Stuhl und Schreibtisch von Raskild und der andere ist der von mir! Du Gottwin, ich komm mit dir. Ich will die Welt sehen und mich auf die Suche nach Raskild begeben.“

Gottwin war so überrascht, dass Witold, der gestern noch so stur gewesen war, jetzt auf einmal doch mit wollte, dass es ihn aus der Hängematte raus auf den Bretterboden katapultierte. Witold, der alles in seinen Händen in den Rucksack warf, brach in Gelächter aus. Gottwin hielt sich vor Schmerzen den Kopf, fing aber dann auch an zu lachen und sagte gut gelaunt:

(Gottwin) „Das klingt doch super! Dann sorgen wir für Frieden und suchen Raskild.“

Beider Augen glänzten wie die von Kindern zu Weihnachten. Witold nickte und fügte hinzu.

(Witold) „Genau! Ich muss noch kurz alles zusammenpacken, denke mal so vormittags können wir los!“

Gottwin, der eigentlich schon am liebsten im nächsten Kampf sein wollte, stimmte nur widerwillig ein. Den ganzen Morgen stopfte Witold noch alles was er gebrauchen konnte in seinen Rucksack, bis er dann vormittags aus dem Baumhaus kletterte, bepackt mit einem großen, runden Rucksack auf seinem Rücken. Gottwin, der den Tag damit verbracht hatte dicke Äpfel auf die toten Banditen zu werfen, war voller Freunde als Witold endlich soweit war aufzubrechen. Sie sattelten die beiden Pferde und stopften die Satteltaschen mit Äpfel voll. Witold registrierte zum Glück noch, dass die Trinkflaschen leer waren und sagte:

(Witold) „Gottwin, warte mal, die Wasserflaschen können wir noch in einer Nische im Baum auffüllen wo sich Regenwasser sammelt.“

(Gottwin) „Genial.“

Kurze Zeit später waren sie bereit zur Abreise, stiegen auf die Pferde und ritten in Richtung des Pfades zwischen den Fichten. Als sie dort ankamen wo die Banditen lagen, stieg Gottwin kurz ab und fesselte sie so, dass sie an einem Seil hinter dem Pferd hergezogen wurden. Als sie nach einer Weile den Pfad verlassen hatten, ließen sie die toten Banditen im Wald zurück. Witold führte sie dann auf den Kutschweg, auf dem er Gottwin getroffen hatte. Mittlerweile war es Mittag. Die beiden aßen ein paar Äpfel während sie nebeneinander her ritten. Das Pferd von Witold schnaufte schon sehr stark, als Gottwin dies bemerkte musste er Witold einen blöden Spruch reindrücken.

(Gottwin) „Wer ist hier jetzt der Tierquäler? Du und dein Kram seid viel zu schwer für den Gaul.“

Darauf hin erwiderte Witold, der sich auf frischer Tat ertappt fühlte, nur angepisst:

(Witold) „Das Pferd ist einfach nur viel zu schwach.“

Ein großer Rucksack und ein dicker Junge mit voll gestopften Gürtel- und Hosentaschen waren einfach nur eine elende Last für ein Pferd. Die beiden rasteten ein paar Mal, damit das Pferd von Witold wieder ein bisschen Kraft tanken konnte. Das Wetter wechselte am späten Nachmittag. Wolken zogen auf und es wurde immer kälter. Am Abend ergoß sich der Regen über ihnen. Zum Glück stießen sie auf ein Schild mit der Aufschrift „Treva“. Das über dem Schriftzug stehende Symbol Sonnwinns, die Sonne mit den drei Kronen war mit einem Kreuz aus weißer Farbe überstrichen worden. Treva war die erste Stadt südlich von Sonnwinn. Nur noch ein paar hundert Meter durch den Schauer und Gottwin hatte die erste Stadt erreicht. Witolds Emotionen schwankten, er würde gleich das Leben in der Zivilisation kennen lernen. Auf beiden Seiten des Weges begonnen Weidezäune aus dicken, dunklen Holzpfählen. In der Ferne donnerte es heftig, die Dämmerung verschlug immer mehr die Umgebung. Hinter den Zäunen waren Silhouetten von riesigen Pferden und anderen Tieren erkennbar. Plötzlich nährte sich eine riesige Gestalt, die mehrere Meter hoch und breit war, mit großen schnellen Schritten. Es schien ein Mann auf etwas sehr Großem zu sein, der sich auf sie zu bewegte. Hoch wie ein Pferd und mindestens doppelt so breit. Das Bild wurde immer deutlicher. Es war ein Schrank von Mann, der auf einem gesattelten, riesigen Bären ritt. Ein Schild ragte weit über seine Schultern hinaus. Sein schwarzer langer Mantel hüllte seinen kompletten Körper ein, durchtränkt vom Regen lagen seine langen weißen, lockigen Haare auf seinen Schultern. Er stürmte genau auf Gottwin und Witold zu. Sein Gesichtsausdruck war genau so finster wie die Narbe, die senkrecht über sein rechtes Auge verlief.

Kapitel 3 – „Die Stadt Treva“

4 Gedanken zu “Kapitel 2 – „Der Dicke im Wald“”

  1. *Rasknilch* 😉 Grins

    Bin auf die Stadt gespannt.

    Bin ich der einzige der Kommentare schreibt? 😉 😉 🙂

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  2. Witold istn killer! 😀
    Macht spaß zulesen .

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  3. Bissel blutig , das … ich lese trotzdem weiter …

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  4. Gottwin erinnert mich an jemanden…vielleicht fällt es mir noch ein…. 🙂

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